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Pferdezuchtverband
Baden-Württemberg e. V.

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Rassebeschreibung

Historie

Fast 100 Jahre wurde in Württemberg ein für die harten Bedingungen der Landwirtschaft geeignetes Warmblutpferd mit der Härte des Artillerie-Stangenpferdes gezüchtet. Ein kräftiges, ruhiges, ausdauerndes und anspruchsloses Warmblutpferd war das Ziel. Seine Größe lag (und liegt heute noch) bei ca. 155-165 cm Stockmaß. Charakteristisch ist sein trockenes Fundament mit harten Hufen – ein Erbe der Araber, die im 19. Jahrhundert von König Wilhelm I. eingeführt wurden und nach dessen Absicht Einfluss auf die Landeszucht nahmen.
Landstuten mit demnach viel Araberblut und Stuten aus Ostpreußen waren die mütterliche Grundlage. Hengste aus der Normandie formten die Rasse. Der 1888 geborene „Faust“, ein Anglo-Normanne, wurde zum Stammvater der Zucht. Durch Inzucht wurde sein Typ in der Population gefestigt. In wenigen Jahrzehnten entstand so das Württemberger Warmblut als eigenständige, durchgezüchtete Rasse.
Es war ein ideales Pferd für die Landwirtschaft. Aufrichtung Kaliber machten dieses Pferd auch für Kutsche und Sattel interessant. Stolz wurde es „Herr und Bauer“ genannt – sonntags an der Kutsche, werktags am Pflug.
Die Faustnachkommen prägten die Landeszucht bis in die 60iger Jahre. Hauptzuchtgebiete waren das Württembergische Oberland und Hohenzollern, aber auch die Gegenden um Ludwigsburg, Leonberg, Herrenberg, Esslingen und Göppingen.
Bis in die Nachkriegsjahre war das „Württemberger Warmblut“ weit verbreitet. Ein Denkmal dieser Rasse war der 1944 geborene Hengst Silcher aus einer Stute der Gräflich Rechberg’schen Zucht mit sieben gekörten Söhnen. Er war von hoher Gelehrsamkeit und mit enormem Gangvermögen.
Die Pferde zeichneten sich durch Härte, Ausdauer und Gutartigkeit aus, bei Remontierungskäufen erzielten sie stets höhere Preise als Pferde aus anderen Bundesländern. Dieses Pferd ist ein hochrangiges Kulturgut dieser Landschaft und droht durch die einseitige Ausrichtung in der Sportpferdezucht der letzten Jahrzehnte verloren zu gehen.

Im Februar 1988 trafen sich, soz. in letzter Minute, Freunde des klassischen Württemberger Warmblutpferdes im Gestütsgasthof Marbach und gründeten den „Verein zur Erhaltung des Altwürttemberger Pferdes“ (www.awue.de).
Auf der Hengstseite sah es zum Beginn der Bemühungen um die Erhaltung der bewährten Pferderasse bereits schlecht aus. Keine reingezogenen Hengste der früheren Zuchtrichtung waren mehr vorhanden. So waren die wenigen mit Altwürttemberger Vorfahren der Rappe Abendruf und der Braune Jurist, ein Jugolsohn.
Die Basis der zu aktivierenden Zucht waren die langlebigen, fruchtbaren Stuten mit hoher Nutzungsdauer und vor allem mit bester Gesundheit. Erfreulich war, dass einige der über 20 Jahre alten Stuten noch Fohlen brachten. Als erster Altwürttemberger Hengst stand schon im Deckjahr 1992 der Braune Sorent, geboren 1988, von Wettruf aus der reinen Altwürttemberger Stute Solara von Sombrero im Deckeinsatz, der sich heute noch im Landesgestüt Marbach befindet.
Nach der Wende lag es nahe, wegen des Hengstmangels Anleihe bei den Schweren Warmblütern in Moritzburg zu nehmen. Die ausgewählten Hengste haben sich bislang bewährt, werden aber nur als Zwischenlösung verstanden.

Charakter

gutmütig, umgänglich, nervenstark bei dennoch lebhaftem Temperament

Größe

155 - 165 cm

Farben

Überwiegend Braune, Rappen und Füchse, selten auch Schimmel

Kopf

Trocken, mittelschwer, ausdrucksvolles Auge

Gebäude 

Mittelschwer, genügend Kaliber (Cobtyp), lange Schulter, Kruppe leicht abfallend

Fundament

Trocken, korrekt, harte Hufe

Bewegungsablauf

Raumgreifender Schritt, schwungvoller Trab

Einsatzbereiche 

Ideales Freizeit-, Familien-, Kutsch- und Arbeitspferd, ein Kamerad für die Arbeit und die Erholung, auch für therapeutisches Reiten und Voltigieren geeignet

Besondere Merkmale

 Gutmütiger Charakter trotz lebhaftem Temperament, nicht schreckhaft, anspruchslos und robust, willig im Geschirr und unter dem Sattel, lange Lebensdauer, leistungsbereit, zugfest und zugwillig.

Bestand

Die Altwürttemberger Stutenpopulation umfasst z. Zt. etwa 65 Tiere im zuchtfähigen Alter, es stehen 10 anerkannte Hengste zur Verfügung, um das Erbpotential zu sichern. Der Altwürttemberger steht auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) unter extrem gefährdet.