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Pferdezuchtverband
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Stutenmanagement in der Reitpferdezucht

Stutbuchaufnahme, Stutenkurztest, Zuchtstutenprüfung, Staatsprämienstute, Sportregisterstute: Die Verwirrung bei manchen Züchtern kann nicht größer sein, wenn sie zu diesen Begriffen einen Kommentar abgeben wollen oder sollen. Natürlich könnte man eine Stute ab dem dritten Lebensjahr regelmäßig decken, die Nachkommen aufziehen, fachkundig ausbilden lassen und anhand der Zufriedenheit der späteren Besitzer ablesen, wie der Zuchtwert der Stute, gemessen an der Nachkommenleistung anderer Stuten, einzuschätzen ist. Bei Hengsten wird dies in Form der Zuchtwertschätzung mit einem gewaltigen Aufwand ja bekanntlich auch gemacht.

Was jedem aber schnell einleuchtet, ist, daß die Information zwar recht zuverlässig ist, aber erst verhältnismäßig spät vorliegt und kaum noch zu Selektionsentscheidungen führen kann. Deshalb wird bei Hengsten vor dem Deckeinsatz in Form der Körung schon scharf selektiert, zu einem Zeitpunkt also, zu dem die Zuchtwertschätzung noch mit erheblichen Vorbehalten belastet ist.

Auch bei Stuten ist der Züchter gut beraten, frühzeitig strenge Maßstäbe an die in der Zucht eingesetzten Stuten zu stellen. Folgende Stufen werden seitens des Verbandes zu seiner Beratung angeboten:

1. Stutbuchaufnahme auf Zuchtvereinsebene

Der Züchter zeigt seine Stute an der Hand in Schritt und Trab und zur Gebäudebeurteilung erfahrenen anderen Züchtern dieser Rasse, einem Brennmeister oder einem Richter aus der Richterliste des Pferdezuchtverbandes. Es geht hier um die Frage, ob die Stute eventuell schon auf den ersten Blick als Mutter künftiger leicht verkäuflicher und sportlich attraktiver Reitpferde ausscheiden sollte. Es handelt sich ausschließlich um einen Beratungstermin. Der Rat der anwesenden Züchter kann durch den Besitzer der vorgestellten Stute auch nicht befolgt werden. Grundsätzlich wird jede Stute registriert.

2. Stutenkurztest

Zum Stutenkurztest sollten möglichst alle Stuten vorgestellt werden, die anläßlich der Stutbuchaufnahme als für die Zucht vermutlich gut geeignet bewertet wurden. Grundsätzlich kann natürlich aber auch derjenige, dessen Stute nicht so positiv bewertet wurde, anläßlich eines Stutenkurztests das Gegenteil beweisen.

Stutenkurztests sind seit1999 vom Pferdezuchtverband angebotene Sammelveranstaltungen, bei denen hochqualifizierte Fachleute die Stuten freilaufend in allen drei Grundgangarten, im Freispringen (siehe auch Richtlinien Freispringen beim Kapitel Stutenleistungprüfung) überprüfen.

Der Besitzer einer Stute erhält somit eine wesentlich tiefergehende Information über die Reitpferde-Eigenschaften seiner Stute. Bei einem solchen Stutenkurztest gut bewertete Stuten sollten dann in einer Zuchtstutenprüfung noch eingehender und weitreichender beurteilt werden, vor allem die Beurteilung der Rittigkeit durch einen Fremdreiter bringt wichtige neue Informationen.

 

3. Zuchtstutenprüfung

Während die Exterieurbeurteilung bei den vorangegangenen Beratungsterminen noch einen hohen Stellenwert hatte, spielt sie bei der Zuchtstutenprüfung eine untergeordnete Rolle. Es sollen ausschließlich die Qualität und Eignung als Reitpferd überprüft werden. Bei einer Zuchtstutenprüfung beurteilen qualifizierte Turnierrichter die Stuten analog einer Reitpferdeprüfung in den drei Grundgangarten unter dem Sattel und zusätzlich im Freispringen.

Ein qualifizierter Ausbilder von jungen Pferden beurteilt auch noch die Rittigkeit vom Sattel aus.

Für die Stutbuchführung sind die jeweils besten Noten aus 1. bis 3. maßgeblich (best of all) !

4. Stutenschauen

Stuten mit einer deutlich überdurchschnittlichen Zuchtstutenprüfung (Durchschnittsnote über 7,0) dürfen sich ermuntert fühlen, ihre Stute bei einer staatlich geförderten Stutenschau vorzustellen. Dort erhalten Stuten mit einer Gesamtbewertung von im Schnitt 7,0, die sich aus der Exterieurbeurteilung und dem Ergebnis der Zuchtstutenprüfung zusammensetzt, einen Ersten Staatspreis. Unter den Stuten mit Erstem Staatspreis werden dann noch einmal die Staatsprämienstuten ausgewählt. Die Auswahl zur Staatsprämienstute ist eine zuchtplanerisch sehr zentrale Maßnahme. Staatsprämienstuten gelten als die ersten Anwärterinnen für gekörte Söhne.

Gleich gute Informationen

Dem Ergebnis einer Zuchtstutenprüfung gleichgestellt werden folgende Informationen: Leistungen analog den Forderungen des Leistungsstutbuchs, Abt. B oder C der FN (drei Siege in Spring- und/oder Dressurprüfungen der Klasse L und/oder drei Plazierungen in höheren Klassen sowie Stuten mit mindestens zwei Plazierungen in der Kategorie A).

Stuten, die diese Anforderungen noch nicht ganz erfüllen, aber vermutlich innerhalb eines Jahres erfüllen können, kann auch eine Anwartschaft auf den Titel Staatsprämienstute mit der Auflage des späteren Nachweises ausgesprochen werden.

Plazierungen in der Kategorie A sind übrigens auch alle Plazierungen im Finale eines Landeschampionats oder Süddeutschen Championats, weshalb eine Stute wie Lettina die Zuchtstutenprüfung selbstverständlich nicht mehr hätte ablegen müssen.

5. Sportregisterstute

Im Sportregister eingetragen werden Stuten, die unabhängig von irgendwelchen züchterischen Leistungen außergewöhnliche sportliche Erfolge aufweisen. Die Registrierung im Sportregister soll die Besitzer solcher Stuten animieren, sie nach sportlichem Erfolg wieder in der Zucht einzusetzen.

Die meisten Sportregisterstuten erfüllen mindestens eine der Anforderungen für den Titel Staatsprämienstute. Verständlicherweise befinden sich im Sportstutenregister aber auch solche Stuten, die zwar über herausragende sportliche Erfolge verfügen, Anforderungen an das Exterieur einer potentiellen Hengstmutter aber nicht erfüllen.