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Bachelorarbeit zum Thema „Entwicklungen in der Islandpferdezucht und im Islandpferdesport“

Im Sommersemester 2010 wurde an Hochschule für Wirtschaft und Umwelt im Rahmen einer Bachelorarbeit von Frau Patricia Bauderer (Studentin der Agrarwirtschaft) eine Untersuchung über die Entwicklungen in der Zucht und im Sport der Islandpferde, durchgeführt. Unterstützung erhielt sie dabei von Professor Dr. Stanislaus von Korn  (Hochschule Nürtingen) und  Manfred Weber (Pferdezuchtverband Baden-Württemberg).

Zunächst einmal wurden die Bestände des Islandpferdes weltweit betrachtet. Deutschland weißt dabei mit etwa 60 000 Pferden die größte Population außerhalb Islands (74 000 Pferde) auf.  Zu erkennen war dabei auch ein starker Rückgang der isländischen Pferdeexporte.

Die weiteren Entwicklungen in der Zucht zeigen, dass in den letzten hundert Jahren aus dem kleinen kräftigen Arbeitstier ein größeres, elegantes Reitpferd mit ausdrucksvollen Gängen wurde. Die Beurteilung der Pferde findet heute nach FIZO mit Noten statt. Früher hingegen gab es noch keine zahlenmäßige Bewertung, später folgte ein Punktesystem. Ebenso wird heute die BLUP-Zuchtwertschätzung durchgeführt. Die Beurteilungsergebnisse wurden früher  in einfachen Notizbüchern festgehalten, heute gibt es die Datenbank „Worldfengur“, in der alle Islandpferde registriert sind.  Zwar ist auch heute noch die Bedeckung im Natursprung am weitesten verbreitet, allerdings bieten inzwischen auch viele Züchter das Sperma ihrer Hengste zur künstlichen Besamung an.

Auch im Turniersport gab es einige Veränderungen. Während sich früher Pferd und Reiter meistens in Form von Wettrennen aneinander gemessen haben, so gibt es heute ein großes und breites Turnierangebot. Die Prüfungen sind dabei speziell auf das Islandpferd zugeschnitten und es gibt eine Vielzahl von Disziplinen. Neben den eigentlichen Turnierveranstaltungen gibt es außerdem Hestadagarveranstaltungen für Freizeitreiter, sowie zahlreiche Wanderritte mit Streckenwertung.  In Island sind Eisturniere schon lange sehr beliebt und inzwischen finden solche Veranstaltungen auch in Deutschland statt.

Im Rahmen der Studie fand auch eine Umfrage zum Thema „Vermarktung von Islandpferden“ statt  an der ca. 40 Betriebe in ganz Deutschland teilnahmen. Auffällig war, dass 76 % der Islandpferde in Deutschland als Freizeitpferde vermarktet werden. Die meisten Islandpferde wurden auf demselben Betrieb geboren, von welchem sie schließlich auch zum Verkauf angeboten wurden. Die Umfrage hat desweiteren gezeigt, dass sich die Ansprüche und Wünsche der Kunden verändert haben und mehr Leistung zu einem geringeren Preis erwartet wird. 

Im Rahmen dieser Befragung konnten sich die Teilnehmer auch zur Zukunft des Islandpferdes äußern. Fast einheitlich war die Meinung vertreten, dass die Zucht von guten Freizeitpferden immer wichtiger wird. Folglich sollte auch das offizielle Zuchtziel der Islandpferde an die neuen Bedürfnisse angepasst und mehr Wert auf die Leichtrittigkeit und den Charakter gelegt werden, als auf die Aktion und den Ausdruck in den einzelnen Gangarten. Auf die Abstammung legen viele Züchter inzwischen eher weniger Wert, es kommt hingegen vielmehr darauf an, dass das Pferd sicher töltet und einfach zu reiten ist. Über die Zukunft des Turniersports gibt es verschiedene Meinungen. Manche Züchter äußerten sich positiv dazu und erwarten eine Zunahme der Turnierreiter, andere hingegen sind der Meinung, dass die Turnierreiterzahlen eher stagnieren oder sogar rückläufig sind. Immer mehr Züchter sehen auch ein gesundheitliches Risiko in der Zucht auf Vorhandaktion und spektakuläre Bewegungen in den einzelnen Gangarten und fordern bei der Beurteilung der Pferde eine deutlich stärkere Gewichtung der Leichtrittigkeit.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Islandpferdezucht auf die neuen Voraussetzungen einstellen kann, um auch weiterhin eine große Bedeutung  in Deutschland zu haben.

Weitere Infos: Patricia Bauderer (Patricia.Bauderer@gmx.de)


09.09.2010